Digitalisierungswerkstatt

VHS & Co. digitalisieren

Vor kurzem beschäftigten sich Presse, Politik und Juristen ausführlich mit dem „Recht auf Vergessen“. Was dabei viele außer Acht ließen, ist das genauso wichtige „Recht auf Erinnern“. Durch die Digitalisierung wird es zunehmend schwerer, analoge Medien wie VHS-Kassetten oder Super8-Filme zu nutzen und so auf Celluloid gebannt die Erinnerungen an die Hochzeit vor 30 Jahren, die Kindheit oder die längst verstorbene Großtante zu erhalten. Lagerung in feuchten Kellern und vielfaches Abspielen tun hierbei ihr Übriges.

Im Pixel wird deshalb in Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek regelmäßig die „Digitalisierungswerkstatt“ angeboten. Dort können alle interessierten Bürgerinnen und Bürger ihre alten VHS-Kassetten oder Audiokassetten mitnehmen und unter Anleitung selbst digitalisieren um sie dauerhaft in die digitale Welt retten.
Hierbei unterstützen Martin Noweck und Linus Einsiedler aus dem Medienzentrum München.

Das Angebot findet großen Anklang: Vom Rentnerehepaar, das sein Hochzeitsvideo behalten will, über den nostalgischen Film aus der Kindheit, den es nirgendwo mehr zu kaufen gibt, bis hin zum Technofan, der seine Mixe aus den 80ern wieder hören möchte, ist jede Gruppe in dem vielfältiges Publikum. Während die Digitalisierung in Echtzeit abläuft, bleibt selbstverständlich immer Zeit, sich in das Gästebuch einzutragen oder über die Erlebnisse zu unterhalten. Wie das Sprichwort schon sagt: Glück wird erst schön, wenn man es teilen kann.

Und dann gibt es noch die Installation von Thomas Kupser „Zur Erinnerung“. In einem eigenen, spärlich ausgestatteten Raum finden sich ein Fotoalbum, leere Bilderrahmen, ein Stuhl und ein Schredder. Davor eine Anleitung: „Bitte wählen Sie ein Foto aus einem Album und archivieren Sie es in Ihrem Gedächtnis. Wenn Sie damit fertig sind, schieben Sie das Foto in den Aktenvernichter“. Paradox, die meisten Anwesenden wollen doch genau das nicht. Sie wollen sich doch genau an das, was auf den analogen Medien verblasst, noch länger erinnern, es noch länger behalten. Die Installation stimmt nachdenklich. Was sind überhaupt Erinnerungen? Wer sind wir auf diesen Bildern? Sind wir am Ende nur die Erinnerungen, die Andere an uns haben?

So findet in dieser Installation alles zusammen: Man kommt, um seine Erinnerungen noch länger festzuhalten, kramt sie zum Teilen mit Anderen wieder heraus und erhält selbst eine Erinnerung an eine völlige fremde Person.

RRR Reproduce – Record – Restore

Eine Kooperation des Medienzentrum München und der Stadtbibliothek München.